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  1. Friedhelm Brandt
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  3. Sonntag, 21. Oktober 2018
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Brigitte Scholz ist Kunsterzieherin im
Mülheimer Gymnasium Luisen Schule
Der Künstler
Friedhelm 0. Brandt
Im August 1994 hatte ich Gelegenheit, mit einer Schülergruppe Herrn Brandt in seinem Atelier im Schloß Styrum zu besuchen.
Beim Betreten des Atelierraumes schienen uns aus einigen Bildern Funken entgegenzusprüchen.
Unsere Blicke wurden nach und nach tiefer in die einzelnen Zeichnungen hineingezogen.
Waren wir wirklich nur die Betrachter oder fühlten wir uns selbst von einen unsichtbaren Auge in diesen vielen, teils farbigen Zeichnungen beobachtet?
Eine Fülle von gerahmten, überwiegend kleinformatigen Arbeiten hing an allen vier Wänden und konkurrierten miteinander. Minutiös aufgetragene kleine Punkte, in bunten kontrastierenden Farbtönen übereinandergesetzt, führen ein scheinbar chaotisches aber wohl doch nach kosmischen Gesetzen geregeltes Eigenleben.
Die Unbestimmtheit der teils fließenden, teils sprudelnden Strukturelemente ließe uns vielleicht noch unberührt, wenn sie nicht zugleich in solcher Dichte und Variations­breite aufträten, daß der Betrachter glaubt, durch ein Mikroskop zu schauen. Oder zeigt der Künstler uns eine Welt von Gestirnen, die ihre eigene Existenz führen, von uns Menschen unberührt, hier nur von einer intuitiv ge­lenkten Hand sichtbar gemacht?

An anderer Stelle entdecken wir auch wieder gegenständli­che Motive, die mit feinen, sparsamsten Linien umrissen sind, in die Strukturen eingewoben oder aus ihnen heraus­wachsend . Eine zeichenhafte Symbolsprache vermuten wir dahinter, aber sie bleibt so unaufdringlich, daß uns der Witz und die sachte Komik dieser skurrilen Kombinationen zum Glück erhalten bleiben.
Mit Recht behauptet eine Schülerin aus der Gruppe der Betrachtenden: "Das ist eine ganz andere, neue Kunst, die ich noch nie gesehen habe."
Der Künstler F.O.Brandt ist Autodidakt. Er ist alle Jahre seines Schaffens, seit 1971, von kunsttheoretischen oder stilistischen Einflüssen unabhängig geblieben. Die Zahl seiner Arbeiten ist auf über tausend angewachsen.
Er selbst nennt sich grafischer Maler und führt seine künstlerische Entwicklung letztlich bis in seine Kindheit zurück. In jedes Schulheft zeichnete er seine Linien­netze in Konkurrenz zu den sonst üblichen Comicfiguren seiner Mitschüler. Bei den Lehrern hat ihm dies sicher weniger Erfolg beschert. Ich vermute, daß diese Art zu zeichnen Ausdruck seiner Gedanken und seines Innenlebens waren und bis heute sein Medium, seine Sprache ist.


In der Sammlung von Zeitungsartikeln, die Uber sein Werk und seine Ausstellungen berichten, lese ich einen Text, der mir am treffendsten seine Arbeiten zu charakteri­sieren scheint. Er befindet sich in der Ausgabe der "Mülheimer Wochen" vom 27. Kai 1992, Seite10; als Ergänzung zu meiner Darstellung möchte ich hier einen Abschnitt daraus zitieren, wenn es gestattet ist.
"Die räumliche Wirkung Brandtscher Werke und deren Bezug zu Titeln wie "Mandala" oder "Meditation" bleibt dem oberflächlichen Betrachter leicht verborgen. Erst in der Konzentration auf Oberlagerungen, Verknüpfungen und Muster werden Ordnungsprozesse sichtbar und die bildliche Harmonie zum Erlebnis. Zur Meditation."
Hier werden durch bestimmte Begriffe asiatische Religionsformen angesprochen. Aus gelegentlichen Äußerungen des Künstlers weiß ich, daß er sich auch mit Prägen der Esoterik beschäftigt hat. Welche Trag­weite dieses Gedankengut für seine künstlerischen Arbeiten hat, mag ich nicht ermessen und sollte vielleicht auch überhaupt offen bleiben. Denn wir sind zu schnell bereit, wertvolles Gedankengut eigener wie auch fremder Kulturen zu Klischees verkommen zu lassen.
Wie wird die zukünftige Entwicklung seiner Werke aussehen? Da war zunächst schon die Einwebung formelhaft gezeich­neter Gegenstände zu beobachten, die immer neu und spielerischer erscheint. Brandt selbst setzt einen starken Akzent auf seinen Beginn der Auseinander­setzung mit Farbe. In vielen Arbeiten bleibt sie noch der eindeutig vorherrschenden grafischen Wirkung untergeordnet. Aber ganz vorsichtig wagt Brandt immer einen Schritt mehr in die neue Dimension.
Im Augenblick mag sein Publikum über seinen experimentel­len Umgang mit feinen Farbtupfen oder lasierten Flächen noch geteilter Meinung sein.
Aber Ungeduld ist fehl am Platz! Warten wir lieber gespannt auf die neuen Möglichkeiten, die sich aus der Verknüpfung seiner Kraft zur Konzentration und Intuition mit der Farbwelt ergeben.








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